Ein bisschen mehr ich
Es ist mir erst heute aufgefallen.
Eine Woche. Eine ganze Woche ohne ein einziges Wort hier.
Und dabei ist doch etwas passiert.
Nicht dieses laute, weltbewegende „etwas“, das man sofort festhalten muss.
Eher dieses leise Dazwischen. Dieses Leben, das einfach passiert, ohne nach Aufmerksamkeit zu fragen.
Zum ersten Mal seit langer Zeit gab es da zwei Tage, die mir gehörten.
Keine Termine. Kein „du musst noch“.
Nur ich.
Und ich habe sie nicht gefüllt – ich habe sie gelebt.
Ich war in der Gärtnerei. Zwischen Pflanzen, Farben, Erde an den Händen.
Habe unseren Hauseingang ein Stück schöner gemacht. Einladender.
So, als würde ich nicht nur Besuch begrüßen, sondern auch mich selbst ein bisschen mehr wohlfühlen.
Und der Garten…
Ich habe dort gewerkelt. Viel, für meine Verhältnisse.
Nicht dieses „viel“, das man messen kann.
Kein Vorher-Nachher, das andere beeindruckt.
Aber mein viel.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem sich gerade etwas verändert.
Der Garten ist wieder ein Ruhepol geworden.
Ein Ort, der nicht fordert, sondern einfach ist.
Insekten summen, Vögel ziehen ihre Kreise, und irgendwo dazwischen Yuki, die alles genauso selbstverständlich hinnimmt wie es ist.
Ich mittendrin.
Und dann kam der Reha-Termin.
Endlich.
Und gleichzeitig… so weit weg.
September.
Ein Datum, das Hoffnung trägt – und Geduld verlangt, die ich eigentlich gar nicht mehr habe.
Diese Woche ging es mir gut.
Zumindest in dem Rahmen, in dem „gut“ gerade existiert.
Die Schmerzen werden weniger.
Leiser.
Nicht weg – aber weniger.
Und doch zeigt mir mein Körper gleichzeitig sehr deutlich, wo ich stehe.
Oberschenkel, die schnell brennen.
Atem, der nach kurzer Zeit schon schwer wird.
Dieses Gefühl, als würde die Energie einfach irgendwo versickern.
Ich arbeite daran. Wirklich.
Aber wenn ich ehrlich bin… ich sehe noch keine echte Veränderung.
Und dann schleicht sich dieser Gedanke ein.
Ganz leise.
Was wäre, wenn ich so wieder arbeiten gehe?
Was wäre, wenn das hier gerade schon mein „bestes“ ist?
Was wäre, wenn es nicht reicht?
Ich merke, wie mich diese Gedanken streifen.
Nicht dauerhaft, nicht laut.
Aber sie sind da.
Und gleichzeitig ist da etwas anderes.
Dieses Wissen, dass ich gerade etwas tue, was lange nicht möglich war:
Ich nehme mir Zeit.
Ich höre hin.
Ich gehe in meinem Tempo.
Vielleicht ist „gut“ gerade genau das.
Nicht schmerzfrei.
Nicht leistungsfähig.
Nicht zurück im alten Leben.
Sondern einfach… ein bisschen näher bei mir.
Leise.
Und irgendwie trotzdem mutig.
Ich baue auf die Reha.
Auf einen nächsten Schritt, der sich im Moment noch weit weg anfühlt.
Aber vielleicht ist genau das der Weg:
Nicht alles auf einmal.
Sondern Stück für Stück.
Wie im Garten.
Ein bisschen hier.
Ein bisschen dort.
Und irgendwann entsteht daraus wieder ein Ort, an dem ich atmen kann.
