Wenn Verletzlichkeit plötzlich laut wird

Wenn Verletzlichkeit plötzlich laut wird

Manchmal gibt es Tage, an denen bricht nicht der Schmerz uns –sondern die Kleinigkeit, die ihn begleitet.
Gestern war so ein Tag.
Ein Taxi.
Eine einfache Situation.
Und plötzlich stand ich da, wie eingefroren in mir selbst.
Nicht in der Lage zu entscheiden, was richtig ist, was ich brauche, was ich will.
Als hätte mein Kopf kurz die Verbindung zu mir verloren.
Diese Verletzlichkeit hat mich noch lange beschäftigt.
Nicht weil sie schlimm war.
Sondern weil sie so deutlich gezeigt hat, wie erschöpft mein inneres System gerade ist.
Wie sehr all die Termine, Befunde, Schmerzen und Gedanken an mir ziehen.
Wie dünn der Faden manchmal ist, an dem die Entscheidungskraft hängt.
Es war nur ein Moment –aber einer, der mir etwas gesagt hat: Ich bin müde.
Überall.
Und in dieser Müdigkeit verlieren selbst kleine Dinge ihre Selbstverständlichkeit.
Das Taxi war kein Taxi.
Es war ein Spiegel.
Einer, der mir gezeigt hat, wie viel ich gerade trage.
Und dass es völlig okay ist, unter dieser Last manchmal nicht zu wissen, wohin.
Ich darf verletzlich sein.
Ich darf überfordert sein.
Ich darf stehen bleiben und atmen, bis mein Inneres wieder aufholt.
Heute denke ich nicht mehr mit Scham an diesen Moment zurück, sondern mit Verständnis.
Mit einem stillen: „Kein Wunder, dass du nicht konntest. Es ist einfach viel.“

Und vielleicht ist das die leise Hoffnung von heute:
Jeder Schritt, auch der stockende, gehört zum Weg –und manchmal zeigt gerade der unklare Moment, wie stark wir eigentlich sind.

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