So zart – und trotzdem geblieben
Neulich habe ich den Anfang meines Blogs gelesen.
Fast elf Jahre ist das her.
Die Diagnose.
Der Schock.
Diese ersten, vorsichtigen Worte.
Und ich dachte beim Lesen:
Du warst so empfindlich.
So zart.
So verletzlich.
Und gleichzeitig sehe ich heute:
Du hast es geschafft.
Nicht heldenhaft.
Nicht mit wehenden Fahnen.
Nicht mit Durchhalteparolen.
Du hast dich da durchgewuselt.
Damals fühlte sich alles roh an.
Jede Untersuchung ein Abgrund.
Jede Wartezeit ein Zittern.
Jeder Gedanke existenziell.
Ich habe geschrieben, weil ich sonst nicht wusste, wohin mit mir.
Die Worte waren mein Halteseil.
Wenn ich diese Texte heute lese,
dann sehe ich keine Schwäche.
Ich sehe eine Frau,
die mitten in der Angst trotzdem lebte.
Empfindlich sein ist nichts, was man ablegt.
Es ist nichts, was verschwindet, wenn man „stark“ wird.
Empfindlichkeit war nie mein Gegner.
Sie war mein Sensor.
Sie hat mich wach gehalten.
Sie hat mich menschlich gehalten.
Sie hat mich bewahrt, hart zu werden.
Und jetzt – elf Jahre später –
steht wieder ein Kontrollscreening an.
Das erste nach der Metadiagnose.
Nach Bestrahlung.
Nach ersten Therapien.
Natürlich wird man empfindlicher.
Natürlich rührt das alte Erinnerungen an.
Natürlich wird das Herz leiser und das Gedankenkarussell etwas lauter.
Aber ich weiß heute etwas, was ich damals noch nicht wusste:
Ich kann das.
Ich habe es schon einmal durchlebt.
Ich habe mein Leben neu in Angriff genommen.
Ich habe geliebt, gestritten, gearbeitet, gelacht, geweint.
Und ich will alt werden.
Mit meinem Mann.
Ihm auf den Geist gehen.
Mit ihm durch Jahre gehen, die noch kommen.
Wenn ich den alten Blog lese,
dann sehe ich eine zarte Frau.
Und ich möchte ihr sagen:
Du bist nicht zu empfindlich.
Du bist lebendig.
Und genau das trägt dich.
🤍