Pause ist kein Stillstand – was Therapie, Labor und Körper erzählen

Pause ist kein Stillstand – was Therapie, Labor und Körper erzählen

Heute möchte ich gern mehrere Themen in diesem Beitrag verarbeiten. Zum einen geht es um die aktuellen Blutwerte in der Kisqali Pause. Dann melden sich auch gerade Schmerzen zurück. Nicht schlimm, aber es ging halt schon besser und deshalb sorge ich mich schon und recherchier dann auch. Und das dritte Thema ist, wie geht es mit meiner Therapie weiter.

Kisqali-Pause – und was das Labor wirklich sagt

Nach drei Tagen Kisqali-Pause kam das aktuelle Blutbild.
Auf dem Papier wirkt es zunächst beunruhigend: niedrige Leukozyten, zu wenige Neutrophile.
Doch diese Zahlen erzählen keine Katastrophe.
Sie erzählen Therapie.

Kisqali bremst gezielt das Knochenmark. Dass Blutwerte nicht sofort reagieren, sondern zeitverzögert fallen und sich ebenso verzögert erholen, ist kein Fehler im System – es ist das System. Drei Tage Pause bedeuten noch keine Regeneration. Es ist eher ein erstes Luftholen des Körpers, ein vorsichtiges Innehalten nach intensiver Arbeit.

Warum Schmerzen in der Kisqali-Pause lauter werden

In der Therapiepause melden sich meine Schmerzen nun deutlicher zurück.
Das fühlt sich beunruhigend an – ist es aber nicht automatisch.

Unter Kisqali sind viele körperliche Prozesse gedämpft: Zellaktivität, Entzündungsreaktionen, auch die Reizweiterleitung der Nerven. In der Pause fällt diese Dämpfung nicht gleichmäßig weg. Der Körper beginnt neu zu regulieren – und dabei werden Signale kurzfristig lauter.

Diese Schmerzveränderungen entstehen nicht über Nacht durch Krankheit, sondern durch Umstellung.
Muskeln, Faszien und Nerven reagieren sensibler, wenn Blutwerte am Tiefpunkt sind und Energie fehlt. Alte Schmerzorte melden sich kurz zurück, neue Empfindungen tauchen auf, Intensitäten schwanken.

Das ist kein Rückschritt.
Ich werte es als Sortieren.

Schmerz in dieser Phase bedeutet nicht, dass etwas wächst oder außer Kontrolle gerät. Es zeigt, dass mein Körper arbeitet, sich neu einpendelt und Grenzen spürbar macht. Geduld ist gerade kein Stillstand – sie ist Teil der Therapie. Auch wenn das mit der Geduld für mich immer etwas schwierig ist.

Pause. Anpassung. Weitergehen.

Nach dem aktuellen Blutbild ist klar:
Die Kisqali-Pause wird wohl verlängert. Eine weitere Woche.
Und wenn es weitergeht, dann mit 400 mg statt 600 mg.

Auf dem Papier klingt das vielleicht nach Rückzug.
In Wirklichkeit ist es etwas anderes.

Kisqali wirkt stark. So stark, dass mein Körper sehr deutlich darauf reagiert hat. Die Blutwerte sind gefallen, vor allem die Neutrophilen - momentan bei 0,7. Nicht überraschend, nicht gefährlich – aber deutlich genug, um innezuhalten. Die verlängerte Pause gibt dem Knochenmark die Zeit, die es braucht, um wieder stabil zu werden. Nicht hastig. Sondern nachhaltig.

Und dann die Dosisreduktion.
400 mg statt 600 mg.

Das ist kein „weniger Therapie“.
Es ist passende Therapie, denn es hilft mir auch nicht wenn mein Körper in der Pause jedes mal auf dem Zahnfleisch geht.

In der Onkologie zählt nicht die höchste Dosis, sondern die, die man langfristig gut verträgt. Eine Therapie, die ständig unterbrochen werden muss, verliert an Wirkung. Eine Therapie, die angepasst ist, kann bleiben – und genau das ist das Ziel.

Was mir wichtig ist:
Während Kisqali pausiert, arbeitet Faslodex weiter. Ohne Unterbrechung. Die Basis der Behandlung bleibt stabil. Ich bin nicht ungeschützt, nicht „ohne alles“. Die Therapie läuft weiter – nur auf eine Weise, die meinem Körper besser entspricht.

Diese Entscheidung fühlt sich für mich nicht nach Scheitern an.
Sondern nach Zusammenarbeit.

Mein Körper hat gesprochen.
Meine Ärztin hat zugehört.
Und gemeinsam wurde nachjustiert.

Vielleicht ist genau das moderne Medizin:
Nicht stur am Protokoll festhalten, sondern den Menschen ernst nehmen, der darin steht.

Ich gehe weiter.
Mit Pause, mit Anpassung – und mit Vertrauen.