Ankommen bei mir
Ich glaube, ich komme langsam an - bei mir.
Allein dieser Satz fühlt sich noch immer ein bisschen ungewohnt an.
Nicht laut.
Nicht arrogant.
Nicht perfekt.
Einfach ehrlich.
In den letzten Monaten hat sich etwas verändert. Nicht plötzlich. Nicht mit großem Knall. Eher leise. Zwischen Schal und offenen Blusen. Zwischen Gartenwegen, Teetassen, Strickmaschen und kleinen Momenten am Fenster.
Früher habe ich oft gedacht, ich müsste erst „richtig“ werden.
Schmaler.
Ordentlicher.
Angepasster.
Weniger Chaos. Mehr Konzept.
Weniger ich. Mehr irgendwas, das besser in die Welt passt.
Aber vielleicht war das nie mein Weg.
Vielleicht bin ich einfach eine Frau mit weichen Stoffen, offenen Blusen und lockigen Haaren, die bei Wärme die Haare hochbindet und bei Regen Kerzen anzündet.
Eine Frau, die gern zeichnet.
Die Notizbücher vollschreibt.
Die Tee trinkt statt geschniegelt durchs Leben zu laufen.
Die Schals liebt, weil sie sich darin ein kleines bisschen zuhause fühlt.
Und ich glaube, das reicht.
Mehr noch:
Ich glaube, das ist schön.
Ich habe lange versucht, gegen mein eigenes Wesen anzuleben.
Gegen das kreative Chaos.
Gegen die Emotionalität.
Gegen die weichen Seiten.
Gegen die Frau, die lieber in gemütlichen Strickjacken sitzt als geschniegelt irgendwo dazuzugehören.
Heute sehe ich das anders.
Denn genau darin steckt mein Zuhause.
In diesen kleinen Dingen:
dem Lieblingsschal.
Dem Duft von Tee.
Offenen Blusen über Tanktops.
Langen Ohrringen.
Zeichenbüchern.
Gartenmomenten.
Kerzenschein.
Wolle zwischen den Fingern.
Dem ersten Herbstabend mit dicken Socken.
Und dem Gefühl, dass man endlich nicht mehr wegrennt vor sich selbst.
Vielleicht ist Selbstliebe gar nicht dieses große, perfekte Ding.
Vielleicht beginnt sie genau hier:
Wenn man sich selbst anschaut und denkt:
„Da bin ich.. Ich bin okay. Das reicht.“
Und wenn man zum ersten Mal nicht sofort etwas verändern möchte.