ein weinendes und ein lächelndes Auge

diesen Beitrag habe ich schon vor zwei Tagen geschrieben…
er soll aber genau heute in die Welt getragen werden…ich weiss noch nicht wie es werden wird, an diesem Freitag…aber es gibt so einiges was ich für mich vor habe zu tun…ob ich es schaffe kann ich nur in einem neuen, späteren Post erzählen…auch wie es mir dabei ergangen ist…

heute nun ist der Tag gekommen…heute wird meine Ma im ganz kleinen Kreis beigesetzt…es war ihr Wunsch dies im kleinen Rahmen, ohne viel Tamtam statt finden zu lassen…und ohne das es jemand weiss…
mein Dad und ich, wir haben es bis heute für uns behalten…es war nicht immer einfach da meine Ma auch Geschwister hat…ich hoffe das sie es im Nachhinein verstehen werden…wenn nicht dann kann ich es nicht ändern, aber der Wunsch meiner Eltern ist mir in diesem Fall oberstes Gebot…

im kleinen Kreis werden wir es ihr erfüllen…aber sicher nicht still und leise…verzeih Mama…aber ich habe mir für heute einen Text überlegt den ich vorlesen möchte…wir haben uns Musik überlegt die wir abspielen werden…
und ganz ehrlich? ich glaube es hätte dir gefallen…

eine Beisetzung im FriedWald…etwas ganz anderes als auf dem Friedhof…aber ich finde es vom Gedanken her sehr angenehm…es kommt mir und meinem Glauben entgegen…

im Vorfeld haben wir im FriedWald einen schönen Baum ausgesucht…uns war wichtig das er nicht zu weit im Wald drin liegt, aber auch nicht direkt an der Strasse…wenn die Sonne scheint, dann sollen ihre Strahlen den Baum erreichen können…das mit der Sonne konnten wir so nicht überprüfen…alles andere passt aber sehr gut…und ein kleines Stück davon entfernt ist auch eine Holzbank…man kann also sogar innehalten…

die Seite vom FriedWald sagt:
„Grabschmuck ist im FriedWald nicht gestattet, es passt nicht in die natürliche Umgebung.
Natur und Wald fangen die Trauer auf: Das Zwitschern der Vögel, das Rauschen der Blätter im Wind oder das Knacken der Äste spenden Trost.“

das heisst für einen selbst natürlich das man sich darüber Gedanken machen muss…
was gebe ich mit?
meine Ma wird von mir in ihr Grab einen Blütenstiel voll Orchideen mitbekommen…so wie ich liebte sie Orchideen und bei mir blühen gerade so einige…also teile ich diese noch einmal mit ihr…
ausserdem wird in das Grab ein Stein mit gehen…
wir haben viele Jahre zusammen Urlaub in Dänemark gemacht…haben es geliebt am Strand zu laufen, Steine zu sammeln…jeder von uns hat so einige dieser Steine noch zu Hause…und einer von ihnen wird nun auf Wanderung gehen…einmal noch durch unser aller Hände und dann zu ihr…
später werden wir gucken ob wir im Wald vielleicht eine schöne Baumwurzel finden, mit der wir ihrem Grab eine gewisse Besonderheit geben können…
das alles ist für mich im Moment besonders wichtig…gehört für mich zum Abschied nehmen dazu…und deshalb hoffe ich das es auch genauso klappt…
im Hintergrund lassen wir leise Musik laufen, die wir ausgesucht haben…die schön ist, aber auch ein bisschen Trauer mit sich trägt…

und,
„Jedes mal wenn der Wind pfeift und durch Äste weht
Wissen wir du warst da, wolltest nur nach dem Rechten sehn‘
Dann warst du kurz zu Besuch
Leider nur zu Besuch, hoff‘ es geht dir gut, da wo du bist.“
(Casper, Michael X)

genauso werde ich es wohl auch sehen, wenn der Wind durch die Äste weht…

ausserdem werde ich einen Textteil aus dem heutigen Beitrag vorlesen…eine Rede halten kann ich nicht…besser gesagt habe ich Angst das mir einfach keine Worte einfallen…aber lesen wird wohl klappen und es sind letztendlich meine Gedanken die ich mitteile:

„ich würde gerne frei sprechen…aber ich habe Angst das mir die passenden Worte im passenden Moment nicht einfallen und aus dem Grund habe ich mich dazu entschlossen meinen Blogeintrag vorzulesen.

ich möchte nicht über das Leben meiner Ma sprechen…
ich möchte einfach nur meine Dankbarkeit versuchen in Worte zu fassen…
versuchen meinen Gedanken Worte zu geben…

ich weiss nicht wie so eine Rede eigentlich aussehen sollte…ich weiss auch nicht worauf man denn nun achten muss…
ich weiss aber, das ich gerade einfach ein bisschen von der letzten Zeit erzählen möchte…

wenn ich an die letzten Tage und Wochen zurück denke dann gibt mir das eine gewisse innere Ruhe…ich fühle mich meiner Ma nah und möchte genau diese Nähe spüren und geniessen…

als wir am 17. Februar beim Bestattungsinstitut sassen, wurden wir gefragt ob wir selbst ein paar Worte am Grab sprechen möchten…
an diesem Tag für mich völlig unvorstellbar…ich schaffte es nicht einmal einen vernünftigen Gedanken zu zulassen…

Tage später?…meine Trauer wendet sich in Dankbarkeit…
ich fange an, an meine Ma zu denken und dabei zu lächeln…habe mich zum Teil bewusst für dieses Lächeln entschieden…
ich bin dankbar für die Zeit die wir zusammen hatten…
ich bin dankbar für die Stunden die sie mich tröstend im Arm hielt…
bin dankbar für die Zeit die wir gemeinsam mit Lachen verbringen konnten…
dankbar für eine schöne Kindheit, die meine Eltern mir beide ermöglicht haben…
in meiner Erinnerung haben sich meine Eltern immer mit Respekt behandelt…
sie haben viel Zeit mit einander verbracht…nie hörte ich „das machen wir später“…
heute bin ich froh das sie ihre Zeit immer genutzt haben…

Hemingway sagte mal „am Ende einer jeden Geschichte steht immer der Tod“
da hat er wohl recht…

10 Monate hat uns diese Krankheit geschenkt…
10 Monate haben wir uns mit der Therapie erkauft…
am Ende viel zu wenig und doch haben wir die Zeit wie wohl schon immer, sinnvoll gefüllt mit schönen Momenten…
wir feierten den 60igsten Geburtstag meiner Tante…
eine Woche später dann unsere Hochzeit…ein Moment auf den sie sich so gefreut hatte…
und dann das Weihnachtsfest…die ganze Familie zusammen…

als meine Ma vor 10 Monaten erkrankte habe ich ihr versprochen das wir den Weg so weit wie möglich zusammen gehen…
das ich an ihrer Seite stehe und sie auch stützen werde…
ich bin froh und auch dankbar das sie mich am Ende ein Stück ihres Weges mitgehen ließ…
egal wie traurig die letzten Tage gewesen sind…wir haben trotzdem viel gelacht…wir haben ernste Gespräche geführt…wir haben gemeinsam geweint…

Am Ende hatten wir alles gesagt was zu sagen war…vielleicht haben wir deshalb unsere letzten gemeinsamen Stunden eher schweigend verbracht…

eine letzte Nacht durfte ich neben ihr verbringen…eine Nacht die ich wohl nie vergessen werde…wir haben die ganze Nacht immer wieder gegenseitig unsere Hände gesucht und uns gehalten…zum Morgen hin brach dieser Kontakt ab…meine Ma zog  sich langsam von mir zurück…für uns begann der Abschied…den letzten Rest wollte sie ohne mich gehen…

der letzte Tag bricht an…draussen wird es hell…ein Streifen Morgenrot am Himmel…Vögel zwitschern…eine Ente erzählt aufgeregt…in diesem Morgen liegt für mich etwas sehr schönes und ruhiges…zum ersten mal zeigt sich der Frühling…ganz zart und sanft…meine Ma hat den Frühling geliebt…sie liebte es wenn in ihrem Garten die Krokusse und Narzissen aus dem Boden kamen….wenn die Schneeglöckchen in Grüppchen zusammen standen…

und unser Leben? das geht einfach so weiter…es macht keine Pause…unaufhaltsam schreitet es voran…das Leben ist einfach im Fluss…und als das Leben meiner Ma am grossen Meer ankam, hat sich die Wolkendecke geteilt und die Sonne strahlte mit aller Kraft auf die Erde herunter…

machs gut meine Liebe…du wirst auf ewig einen Platz in meinem Herzen haben“

ja, soweit zu meinen Gedanken…
aber eins möchte ich noch sagen…das ist längst überfällig…

ein ganz grosser Dank meinerseits und ich denke das ich da auch für meinen Dad spreche, geht an die Palliativstation am Klinikum Links der Weser in Bremen…
mir war schon immer klar das die Menschen die dort arbeiten etwas ganz besonderes leisten…etwas was ich eigentlich garnicht in Worte fassen kann…nichtsdestotrotz…
in diesen sieben Tagen die meine Ma dort gelegen hat, ist uns immer mit viel Einfühlungsvermögen geantwortet worden…es war immer jemand für uns da…
nie zeigte jemand Mitleid…aber von allen Seiten erfuhren wir Mitgefühl…in ganz grossem Maße…viele dieser Leute werden mir in ewiger Erinnerung bleiben…meine Freundin Elke sowieso…sie hat es möglich gemacht das wir innerhalb von nicht mal 24h einen Platz bekommen haben…sie war da, als wir sie ganz dringend brauchten…
Christiane, die Tränen in den Augen hatte als sie meinem Dad mitteilte, das die Zeit meiner Ma sehr begrenzt ist…Bianca, die mir einfach etwas sehr persönliches von sich erzählte…Herr Korte, der Seelsorger, der für mich noch einmal sehr tröstende Worte fand…Peter, ein Pfleger der Spätdienst hatte und ebenfalls persönliche Erfahrungen mit mir teilte…Doris, die mir in dieser letzten Nacht einfach ein Bett neben das meiner Ma stellte und meinte so können wir ganz nah bei einander sein…die Ärztin Frau Butt, die mich in die Arme nahm und, auf mein „für meine Ma ist es so am Besten“, sagte „und trotz allem ist es gerade sehr traurig für euch“…nicht zu vergessen Jutta, die ich bei meiner eigenen Erkrankung schon schätzen gelernt habe…die sehr innige Gespräche mit uns geführt hat…
ich bin gerade sicher nicht jedem gerecht geworden…und habe so einige Leute vergessen hier zu erwähnen…verzeiht…

4 Antworten auf „ein weinendes und ein lächelndes Auge“

  1. Ach Antje, nun weine ich. Ihr seid so eine tolle Familie und jetzt fehlen mir die Worte. Ich kann nur Danke sagen, für deine Freundschaft, unsere guten Gespräche, dafür, dass ich so vieles mit dir/euch teilen darf, für deine tollen Gedanken…Es tut immer weh, wenn jemand von uns geht, den wir lieben, aber in unserem Herzen werden sie immer bleiben.

  2. Wahnsinn…. Danke für diese wirklich ehrlichen und gefühlvollen Worte von dir!! Es tut gut ein wenig deinen Weg mitgehen zu können (auch wenn dieser Text den Tränen nahe geht) und zu merken das du trotz schwerer Zeiten dein Lachen nicht verloren hast!! Ich wünsche dir weiterhin Kraft, Sonnenschein, und ab und an….wenn du es brauchst…. ein bisschen Wind der durch die Äste weht!!

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