da sitzen wir

ja da sitzen wir in diesem Wartezimmer…oder besser Wartebereich und philosophieren über diese fucking Krankheit namens Brustkrebs…sollte uns hier jemand zuhören, dann halten sie uns jetzt entweder für besonders dämlich oder für besonders abgebrüht…
ich glaube beides liegt gerade nah bei einander…

was war passiert?
Alex, eine meiner Bru Si…haha…cooles Wort…wenn es „Mo Bro“ gibt, dann auch Bru Si…also ich taufe Bru Si als Synonym für Brust Sister…uff…vielleicht doch dämlich…

okay, also Alex war Montag zur Nachsorge…und sie kommt auch aus Bremen…und wir waren schon ein zwei mal zusammen los…und irgendwie sind wir auch so auf gleicher Welle…
na ja sie berichtete dann Montag gegen Mittag das das Ultraschall auffällig sei…sie Mittwoch zur Mammographie müsse und eventuell auch ne Stanze bekäme…der ganze Scheiss vielleicht von vorn los gehen könnte…

ja und jeder der selbst Betroffene ist, der weiss was genau jetzt im Kopf abgeht…Kopfkino deluxe…und deshalb war es für mich selbstverständlich das ich kurzfristig alle Planung über den Haufen warf und Alex begleitete…man sollte diese Scheisstermine, wenn man schon überhaupt dort hin muss, nicht allein wahrnehmen müssen…

nun ja und so trafen wir uns heute um halb zehn vor dieser Praxis…wie zwei Helden betraten wir die Räumlichkeiten…aufgesetzte Freundlichkeit und Lustig sein…hast ne Wahl? nö…und wie wir denn beide so sind…die Gespräche gingen ziemlich schnell in Richtung Szenario…was wäre wenn…egal ob wir was wissen…wir bereiten uns auf den worst case vor…
was macht man im Zweifel mit seinen Brüsten? abnehmen lassen…ganz klar…Aufbau? ach nee besser nicht…hörst ja auch immer wieder irgend eine Scheisse drüber…
zwischendurch sag ich immer wieder „he, lass uns mal erst Plan A gehen, bevor wir zu B rüber springen“…und dann gehts weiter…wie sah deine Therapie damals aus…wie hast das alles vertragen…was war scheisse….was war toll…oh Gott, was wenn…
wir sind allerdings sogar dazu bereit, sortiert über Befunde zu sprechen…darüber was auch hinter dem Befund, den niemand richtig deuten mag, stecken könnte…
ihr seht, es gehört nicht viel dazu, das solche Gespräche eskalieren…und wieder stellen wir beide fest das die Angst im Kopf die Fantasie triggert…und die uns ganz klar am rationalen denken hindert…wir verfallen unserer Fantasie…
ja, auch das stellen wir fest in diesem Wartebereich…jeder hängt seinen eigenen Gedanken und auch Ängsten nach…und doch bemühen wir uns unser Lächeln und Lachen nicht zu verlieren…denn eins ist ganz klar… „Fackjukrebs“…“Krebs ist ein Arschloch“…“Egoistisch“….und ganz sicher läßt sich niemand davon in die Knie zwingen…zumindest wir beide heute nicht…

ja die Untersuchungen haben heute erstmal nichts wirklich gebracht…also vielleicht schon…aber bei Leuten wie uns will man es ja immer ganz genau wissen…deshalbh geht es mit den Untersuchungen in der nächsten Woche weiter…
aber, wir haben es gemeinsam gemeistert…und hatten trotz der ganzen Sorge, auch einiges zu lachen…

ich habe es tunlichst vermieden die Leute um uns rum genauer zu betrachten…aber ich glaube das die ein oder andere uns doch zuhörte, wie wir da so saßen und über diese fucking Krankheit namens Brustkrebs redeten…

und am Ende bleibt zu sagen:
„Wir sind vom Leben gezeichnet,
in den buntesten Farben und wir tragen sie mit stolz,
unsre Wunden und Narben.
Wir sind vom Leben gezeichnet mit Dreck und mit Schmutz.
Doch es glänzt wie Perlmutt, wir sind so schön kaputt.
So schön kaputt!“
(SDP, So schön kaputt)

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||||| 1 mag ich! |||||

6 Antworten auf „da sitzen wir“

  1. Liebe Antje,

    wir kennen uns nicht persönlich, aber auch ich bin eine dieser Bru Sis, wie du sie nennst und mit Alex befreundet. Ich kann das Kopfkino bestens nachvollziehen, hatte es auch schon so oft und nicht immer wegen mir selbst. Ich danke dir für deine Beschreibung eurer heutigen „Sitzung“. Ich finde es super, dass du dir die Zeit nehmen konntest Alex zu begleiten. Ich wünschte mir in meinem Leben oft auch diese Flexibilität. Sowas ist nicht mit Gold aufzuwiegen, wenn man diesen Gang in Begleitung gehen darf. Ein bisschen musste ich schmunzeln wegen deiner Andeutungen. Kann mir sehr gut euer verhaltenes (oder lautes) Gegackere vorstellen. Die beste Art mit Schrecken umzugehen. Bleibt mir am Ende nur, dir herzlich zu danken und mein Versprechen zu geben, weiter fest alle Däumchen für Alex zu drücken. Es MUSS einfach gut ausgehen.

    Liebe Grüße

    1. danke für deine lieben Worte…diesmal passte es einfach jobmässig so das ich Alex begleiten konnte…und deshalb hab ich es gern getan…ja ich finde auch das es der beste Umgang ist, dem ganzen Scheiss dreckig ins Gesicht zu lachen…

      ich wünsch dir weiterhin alles Gute

  2. Eine super Idee von Dir Alexandra zu begleiten und mit ihr diesen Termin gemeinsam war zunehmen. Ich bin von Deiner Unterstützung total gerührt und möchte Dir tausendmal Danke sagen!!!! Ich freue mich das Alexandra solche Freundinnen hat. Alles Liebe, Alexandras Papa

    1. Alex und mich hat diese Krankheit zusammen gebracht…auf die Krankheit hätte ich gut verzichten können…auf Menschen wie Alex eher nicht…das eine ging nun leider nicht ohne das andere…und in jedem Schlechten ist auch immer was Gutes…

      1. „…und in jedem Schlechten ist auch immer was Gutes…“ das sehe ich genauso.

        Ich habe auch durch den Krebs ganz tolle neue Freundschaften schließen können. Leider wurde so manche davon inzwischen aber aus dem gleichen Grund wieder beendet. #Fuckcancer. Also genießt es in vollen Zügen euch zu haben.

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