müde aber …

…glücklich.
heute morgen:
2 km laufen – check…
30 Minuten Gewichte bearbeiten – check…
das Anstrengung so glücklich machen kann…
ich merke das es mir gut tut und mich auch ein bisschen von den Wehwehchen die gerade so anstehen ablenkt…
ach ja und Blut wurde auch heute morgen schon abgenommen…Werte sind okay…
sprich morgen startet 7 von 12…
und Freitag treff ich mich ganz kurzfristig mit meiner Freundin bevor sie für ne Woche vom Bremer Erdboden verschwindet und sich ein bisschen Erholung gönnt…
Danke Uli <3

ja gestern war ich ja beim Arzt das hatte ich ja schon geschrieben…aber, was ich nicht mehr geschrieben habe, das Ergebnis bei ihm und auch das Gespräch mit ihm hat mir wirklich einen sehr positiven Tag beschert…

ach wie ich letztens festgestellt habe leiden meine Geschmacksnerven…es schmeckt alles gleich…doof…
eigentlich schmecke ich bei den meisten Sachen wirklich gar nichts…ein paar wenige Ausnahmen gibt es…

auf meinem Chemo-Plan den ich ganz zu Anfang angefertigt habe, kann ich endlich das Ende sehen…ein gutes Gefühl…es liegt mehr hinter als vor mir…
ich weiss noch wie ich ganz zu Beginn davor stand und dachte:
ach du scheisse…was kommt da auf mich zu? werde ich wirklich die Kraft haben das so durchzustehen? was ist wenn ich das einfach nicht packe?
und heute?
es liegen 4 Monate dazwischen…4 Monate in denen ich manch Tag verflucht habe…manch Tag an dem ich einfach nur wieder ins Bett gegangen wäre…manch Tag an dem ich der gesamten Welt meinen Mittelfinger zeigen wollte…manch Tag an dem sich einfach alles gegen einen verschworen hat…manch Tag an dem alles weh tut und du denkst „niemals mach ich auch nur einen Tag weiter“…manch Tag an dem ich Angst hatte mein lachen zu verlieren…manch Tag an dem ich dachte meine Gedanken würden mich wahnsinnig machen…
aber, es gab auch
viele Tage an denen ich merkte das es mich einfach stärker macht…viele Tage an denen ich sehr dankbar dafür war das Menschen aus meinem Umfeld mir Kraft gaben…viele Tage an denen ich aus tiefstem Herzen gelacht habe…viele Tage an denen ich mit erhobenen Kopf das Haus verlies und dachte „du treibst mich nicht in die Enge…ich lasse mir mein Leben nicht nehmen…nicht jetzt“…viele Tage aus denen ich Kraft geschöpft habe…viele Tage an denen ich einfach nur Spass hatte…viele Tage an denen ich meine Krankheit akzeptiert habe, weil ich sie einfach nicht ändern kann…viele Tage an denen ich einfach nur ich selbst war…viele Tage an denen ich die Krankheit auch einfach mal vergessen hatte…
und genauso mache ich diese verdammten 6 Wochen auch weiter…es gibt manche Tage die sind scheisse…aber, es gibt viele Tage die sind einfach nur wundervoll…und genau für diese Tage wird es weiter gehen…
in den letzten Tagen habe ich oft an die erste Zeit zurück gedacht…damals als ich die Diagnose bekam…bzw. als die Diagnose noch gar nicht feststand…mein Mann der gerade 6 Tage vorher eine neue Arbeit angetreten ist…ich sehe mich weinend auf Station stehen…von absolut wundervollen Kollegen umgeben…Kollegen die einfach mit mir mit zur Mammographie gehen, weil gerade niemand anderes da ist…Kollegen die mir anbieten mich auch zu anderen Untersuchungen zu begleiten, wenn keiner kann…Kollegen die mir mit so unwahrscheinlich viel Wärme entgegen treten…mir immer wieder über viele Tage liebevolle und kraftgebende Nachrichten schicken…die mir gegenüber einfach ehrlich waren und sagten „ich weiß nicht was ich sagen sollen“…denn das wussten wir damals wohl alle nicht…
und dann sind da meine Freunde…die eine die mich zu fast jeder Untersuchung begleitete…die dabei war als ich die Diagnose Krebs bekam…die gesehen hat wie meine Welt unter geht…die mir das Telefonat mit meinem Mann ab nahm, weil mir einfach die Worte fehlten – weil mir einfach irgendwie ein riesengroßer Laster durchs Gehirn gefahren ist…
und meine andere Freundin die zu der Zeit eigentlich im Urlaub war…die mal kurz ihre Pläne änderte und für einen Tag zu mir kam…die mit mir geweint und gelacht hat…die meinen Tumor getastet hat…die mir dann mindestens 100 Nachrichten täglich geschickt hat…die dann meinte „ein bisschen habe sie jetzt auch Krebs“…
Beide Mädels, die Tag und Nacht irgendwie immer erreichbar waren wenn mir irgendwas durch den Kopf ging…
mein Mann, der einen neuen Job angefangen hatte und dort wirklich alles geben musste und eine Frau hatte die nahe am durchdrehen war…gepaart mit einem 6 jährigen Jungen, der auch einfach nur Ansprüche stellt…ich weiß das er darüber nachgedacht hat wieder in die alte Firma zurück zugehen…und ich bin um so stolzer auf ihn das er sich durchgebissen hat…seine Kraft gab auch mir meine Kraft…wir waren schon immer eine Einheit…aber in den letzten Monaten sind wir noch mehr mit einander verschweisst…er der mir immer wieder Mut zugesprochen hat, weil er einfach wußte das erstmal keine akute Gefahr besteht…
meine Eltern und Schwiegereltern, die versucht haben ein bisschen tägliche Last abzunehmen…
ja das sind immer mal wieder Gedanken die durch den Kopf gehen…
mein Motto für morgen?

„FUCK CANCER
LOVE LIFE“

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