mal nicht um mich gehend…

eigentlich wollt ich heute nicht schreiben…eigentlich sind meine Augen müde und ich möchte gerne schlafen…aber, eigentlich werde ich morgen traurig sein wenn ich jetzt nicht genau das schreibe was durch meinen Kopf geht…denn morgen werden die Worte nicht mehr da sein…sie werden anders sein…und deshalb bringe ich sie jetzt zu Papier…

vor einer halben Stunde ereignete sich bei uns folgendes…
mein Sohn begann aus heiteren Himmel heraus zu weinen…er würde das Gefühl haben das ihm Asix Bär in seinem Herzen fehlt…wo nehmen Kinder eigentlich genau diese Sätze/ Gedanken her…es überrascht mich immer wieder…

ich möchte gerade jetzt von ihm erzählen…nicht weil ich traurig bin…darüber bin ich hinaus…ich habe mittlerweile den Punkt erreicht an dem ich dankbar bin das dieser Hund mich damals ausgesucht hat…mein Herz im Sturm eroberte…darüber möchte ich erzählen…

es war Anfang Dezember 1996…ich wollte schon lange wieder einen Hund haben…ich kaufte mir eine Hundezeitung in der auch Anzeigen zu Hundeverkäufe waren…mein Blick traf ein Foto ein Hundekörbchen voller wunderschöner Cockerwelpen rechts und links davon die Eltern der Tiere…ich könnt das Foto aus meinen Unterlagen raussuchen…aber das will ich nicht…ich will die Erinnerung aus dem Kopf…
der Verkauf der Tiere war in Koblenz…ich rief also an und erfuhr das es Wohnungstiere sind…Hauszucht…A Wurf…sechs Welpen…fast alles Rüden…eine Hündin…12 Wochen alt…die Tiere waren reinrassig und (ehrlich gesagt) ziemlich teuer…ein Welpe allerdings war deutlich günstiger…man hatte ihm beim kupieren des Schwanzes gleichnamigen gebrochen…er war schief zusammen gewachsen…dieser Hund hätte immer ein Ausstellermanko…mir egal…der war preislich in meinem Budget…also fuhr ich an einem Samstag morgen (20.12.1996) mit meinem Ex Freund und einem Bekannten nach meinem letzten Nachtdienst nach Koblenz…ich war so aufgekratzt…wenn alles klappt hab ich bald wieder einen Hund…

in Koblenz angekommen hatte ich erst ein super Gespräch mit der Züchterin…mir wurden die Elterntiere gezeigt…man merkte das diese Frau ihre Tiere von Herzen liebt und für die Welpen nur das Beste möchte…und dann endlich lies sie die Welpen aus dem Zimmer…sie stürmten auf uns zu und beschnüffelten uns…in meinem Kopf war immer noch „ich kann nur den günstigsten mitnehmen“…dann sprang ein kleiner Kerl an mir hoch…ich nahm ihn auf den Arm, schaute in diese wunderschönen tiefbraunen Augen und es war mir scheissegal wie teuer dieses Tier sein würde…es war meiner…der sollte es sein…Liebe auf den ersten Blick…es gibt sie definitiv…eigentlich denke ich das Liebe ein Gefühl ist das wachsen muss…sie ist nicht von Anfang an da…erst ist man verliebt…dieser Verliebtheit schliesst sich diese Liebe an…hier war es anders…dieses Tier hatte mich in seinen Bann gezogen…ich setzte diesen Hund in dieser Wohnung nicht mehr runter…ich hielt ihn im Arm…ich liess ihn in meinem Schoss schlafen…ich nahm ihn natürlich mit…dieses Tier ist mit Geld nicht zu bezahlen…aber soll ich was sagen? es war der günstigste aus dem Wurf…ihm hatte man den Schwanz gebrochen…meinem Asterix-Bär vom Regenbogen…

das nächste woran ich mich gerade erinnere ist, Samstag der 22.02.1997…ich hatte Frühdienst…und nach dem Dienst wollte ich mit einem Kollegen von Station (okay, er war nur Zivi 😉 ) nachmittags rausfahren und spazieren gehen…natürlich mit Asterix…der Hund gehörte mittlerweile in der Freizeit immer an meine Seite…wo ich war, war auch er…so ist das bei der Liebe <3
nun ja wie gesagt wir gingen spazieren…irgendwo im Nirgendwo…über verschneite Wiese…durch Wälder…meine große Liebe an der Leine…und jemanden den ich zu dem Zeitpunkt wirklich nett fand, neben mir…wir redeten und redeten und redeten…am Ende war dieser kleine Hund ganz müde, aber glücklich…und ich? ich hatte zum einen das Gefühl das ich mein Auto nicht mehr wieder finden würde…ach nee, es war sein Auto…ein kleiner blauer R5…ein Giftzwerg…vielleicht wollte ich es auch gar nicht mehr finden…denn dann würden diese Gespräche nie enden…Gespräche über Musik und das Leben…und zum anderen war ich seit langem mal wieder einfach nur glücklich…ich glaube, ich hatte da jemanden zweites gefunden in den ich mich zumindest verlieben könnte…der interessant war…und er mochte meinen Hund…und am Ende des Tages lud er mich für den nächsten Tag zum Essen ein…bei sich…er würde kochen…ups…
Marc, ich gebe jetzt nur ein einziges mal zu das du recht hattest…unser Jahrestag ist in der Tat der 23.02. …egal…wir vergessen ihn eh immer…vielleicht, weil wir jeden gemeinsamen Tag als unseren Tag ansehen…ja aus diesem „er ist nett“ wurde ein „ich bin verliebt“ und über viele anstrengende Momente und nicht immer einfach Zeiten wurde ein tiefes „Ich liebe Dich“…

mein nächster Gedanke?
Samstag, August 2004…ich wache auf und mein Hund hat ein ganz nasses Gesicht…was war passiert…seit einigen Tagen hatte er ne fette Mittelohrentzündung…da neigen Cocker Spaniel durch die tiefhängenden Ohren immer mal zu…auch er…aber diesmal dauerte es schon viel zu lange…die Flüssigkeit entleerte sich vor dem Ohr aus einer kleinen Stelle…Notdienst Tierarzt…alles sehr undeutlich…danach ein Anruf in Wuppertal…dort sass unsere eigentliche Tierärztin…wenn wir wollten sollten wir sofort kommen…sie und ihr Mann schauen sich den Hund an…
was darauf folgte hätten wir nie gedacht…ein sehr langer Weg und unser Hund wurde von der Schulmedizin aufgegeben…er war 8 Jahre alt…und er war die Liebe meines Herzens…mein Mann hatte mir viele Jahre später mal gesagt das er von Anfang an Angst vor dem Tag hatte an dem dieser Hund mal gehen würde…ich ihn gehen lassen müsste…sollte das jetzt so weit sein?
Asix (wie wir ihn schon seit einigen Jahren nannten) hatte laut MRT ein verfisteltes Ohr…viele Gänge um den Gehörgang und eine Öffnung nach draussen…viel Flüssigkeit im Ohr…man könne ihn operieren…Gehörgangsamputation…man wisse aber nicht ob er es überleben würde…was tun? du willst helfen…weisst aber nicht wie…wir entschieden uns gegen die OP und für einen Versuch mit Akupunktur, Homöopathie und Ernährungsumstellung…und es schien zu funktionieren…die Fistel blieb zwar Bestandteil seines restlichen Lebens, aber wir konnten alle gut damit umgehen…sie förderte mal mehr, mal weniger…aber der Hund hatte keine erkennbaren Schmerzen und das war es was zählt…kein Leid…
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Sprung
Urlaube in Dänemark…jedes Jahr mindestens zwei in den ganzen Jahren…ein Bild vor mir…der erste Strandbesuch nach Ankunft…Asix rennt vor und bleibt oben auf den Dünen stehen und schaut aufs Wasser…es sieht aus als würde er jedes mal irgendwie zu Hause ankommen…er liebte die Strände Dänemarks genauso wie wir…er buddelte dort wie ein wahnsinniger…als müsse er sich durch die Erdkugel buddeln…
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Zeitreise 2008
ich bin schwanger…wird das gut gehen? mein Hund steht nicht so auf Kinder…Haha ich auch nicht – welch Ironie…ausserdem haben wir noch eine verrückte Tricolor Katze…wie wird sie das aufnehmen…mist…hoffentlich geht das gut…
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Asix und Klara bekommen es ja gerade mal hin sich gegenseitig zu akzeptieren…
nun ja, zu spät…wir müssen das Beste daraus machen…es wird klappen…dieser Hund folgt mir auf Schritt und Tritt…und, er scheint immer mein „glücklich sein“ zu seiner Aufgabe zu machen…es wird gut gehen…
26.10.2008 ich verlasse mit einem kleinen Menschenbündel im Arm die Klinik…heute nachmittag wird unser Hund von meinen Eltern zurück kommen…dort war er seit dem 10.10., dem errechneten Geburtstermin…und dann folgt was ich meinem Sohn heute Abend im Bett erzählt habe…
ich habe Paul nackig ausgezogen auf den Fussboden gelegt und ihn unseren Tieren zum kennenlernen angeboten…unsere Katze blieb auch gut 5 Meter abstand…sie wagte sich erst viel später, nachts an ihn heran, als sie sich unbeobachtet glaubte…
unser Asix, zu der Zeit schon nicht mehr die besten Augen und auch so manchmal etwas altersverwirrt wirkend, machte es anders…er ging einfach seines Weges und stolperte quasi über dieses Menschenkind…sein Interesse geweckt, beschnüffelte er ihn und zog ihm seine Zunge quer durchs Gesicht…um sich dann weiter seines Weges zu machen…als wäre alles wie immer und nie was anderes…von diesem Tag an waren beide ein Herz und eine Seele…wo Paul war, war auch Asix…er war immer dabei…so wie auch vorher schon die ganzen Jahre….und meine Angst und Sorge ganz um sonst…
davon erzählte ich vorhin meinem weinenden Sohn…

es folgte ein wunderschönes erstes, wie auch letztes Jahr mit Paul und Asix…auf Grund der Elternzeit konnte ich auch für meinen Hund noch mehr da sein…noch mehr unternehmen…
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bis zum 08.September 2009
Asix hatte schon länger Probleme mit den Zähnen…zwei mussten sie ihm ziehen…aber das was jetzt kam war merkwürdig…das Zahnfleisch zog sich immer weiter zurück…die Zahnhälse standen frei und das Zahnfleisch sah merkwürdig aus…als wieder ein neuer Termin…er würde kurzer Hand in Narkose versetzt und eine Probe entnommen…man sagte es sehe aus wie Krebs…dieser Hund der schon vor 4 Jahren schulmedizinisch aufgegeben wurde (mit einer damaligen Lebenserwartung von max. 6 Monaten) sollte nun an etwas ganz anderem sterben…das Ergebnis war positiv…Plattenepithel Ca der Mundschleimhaut…Mundschleimhautkarzinom…bis dahin hatte ich davon noch nie etwas gehört…scheisse…
auch wenn er in Stuhr behandelt wird…mein vertrauensvoller Tierarzt sass immer noch in Wuppertal…ein Anruf brachte Gewissheit…er hat nicht mehr lange…max. 6 Wochen…ich sollte zu sehen das er keine Schmerzen hat und wenn er nicht mehr fressen würde, dann wäre der Zeitpunkt gekommen…ich dachte daran wie er vor einigen Tagen in Narkose lag und ich hin und her überlegte ob ich ihn nicht sofort erlösen sollte…ohne ihn noch mal aufwachen zu lassen…ich bin froh das ich mich dagegen entschieden habe…sehr froh…

fast 6 Wochen später auf den Tag genau geschah es…einen Tag vorher rief ich meinen Mann auf der Arbeit an…er solle einen Termin machen…der Moment sei da…was war passiert? ich lag vormittags mit meinem Hund auf der Couch und kraulte ihm den Bauch…und sah dabei das der ganze Hund voller Flöhe war…nun gut, jeder der nen Hund hat weiss das passiert manchmal…aber das hier war anders…dieser Hund konnte sich nicht mehr dagegen wehren…er konnte sich nicht mehr putzen…ein Blick in sein Maul zeigte mir den Grund…die Zähne hingen nur noch im Fleisch…drohten jeder Zeit rauszufallen…es machte mich so traurig…dieser Hund hatte bis zum letzten Tag für mein Glück gesorgt und seinen Schmerz hinten angestellt…ich habe es nicht erkannt das er so gelitten hat…ich sollte so einiges nicht erkannt haben in diesen Wochen…
vor 6 Wochen sagte man mir ich würde den Moment erkennen…es war damals unvorstellbar…aber jetzt war der Moment da…keinen Augenblick früher oder später…
und genauso war es…ich hätte ihn keinen Tag früher oder später gehen lassen bzw. die Entscheidung treffen können…am Morgen des 28.10.2008 liess ich meinen Freund gehen…ich spürte seinen letzten Herzschlag unter meiner Hand…
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nein das ist nicht sein letztes Bild…es entstand 2 Jahre vorher schlafend im Garten…

die Tage danach waren sehr schwer…ich hatte einen guten Freund verloren…den Besten…und überall suchte ich nach diesem Blick…manchmal noch bis heute…Wochen, Monate…immer wieder wurde ich nachts wach weil ich dachte er wäre da…ich hätte ihn gespürt, gerochen, geträumt…
was aber auch eine Woche später aufgefallen war, das war unsere Katze…die war so verdammt dünn geworden…und sie frass jetzt so verdammt viel…und dann kamen Bilder in meine Erinnerung…eine Katze die beim füttern immer nur sehr wenig genommen hatte in den letzten Wochen und dann den Hund an ihren Napf gelassen hat…
er hatte durch das Kortison so viel Hunger bzw. Fresslust…und sie hat es erkannt und immer nur wenig gefressen…sie hatte wirklich viel angenommen…und wohl auch einen guten Freund verloren…

irgendwann, Anfang 2014…da gab es so einen traurigen Tag…ähnlich wie heute, nur das mir und nicht Paul eine Träne aus dem Auge lief…mein Sohn fragte was los sei und ich erzählte ihm das ich gerade so ein trauriges Gefühl in mir hätte…an Asix denken würde, er mir fehlt…und mein kleiner Sohn schaut mich an und sagt „Mama, Asix-Bär ist in meinem Herzen…da ist er drin und geht nie wieder raus…deshalb vermisse ich ihn nicht – er ist ja da“…wow, du bist so ein verdammt großes Kind…und ich habe größten Respekt vor dir, mein Sohn…

ja, das war sie die Geschichte von Asix-Bär…einem Hund der über viele Jahre wie ein guter Freund und Zuhörer war…falsch, er war nicht wie ein guter Freund…ein war der gute Freund…

jetzt geht es mir besser…und ich sage gute Nacht…vorher möchte ich noch kurz sagen das mich heute keine Trauer mehr begleitet…ich bin viel weiter…ich denke an ihn mit einem lächeln im Gesicht zurück…ich bin froh mich damals für genau diesen Hund entschieden zu haben…und dankbar dafür das auch er mich ausgesucht hat…der Trauer ist ein Lächeln gefolgt…

Gute Nacht!

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